Sonnenuntergang
Tagebuch



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9.3.08 Gleich fange ich diesmal wirklich an

Gestern habe ich endlich mit der ersten Hausarbeit angefangen, nach vier Wochen bitterer Unproduktivität. Es läuft zäh, fast gar nicht. Heute drücke ich mich schon die Hälfte des Vormittags. Gestern Abend habe ich seit langer Zeit mal wieder geweint über die ganze André-Geschichte. Nur kurz, ausgelöst durch eine dumme Serie, in der wieder mal eine Figur rumläuft, die unerfüllt liebt. Ich glaube nicht, dass ich zu sentimental bin – ich glaube, das würde jedem passieren, der nach zwei Jahren Selbstbetrug endlich etwas über die eigenen Gefühle lernt, natürlich genau dann wenn es zu spät ist. Nicht dass es davor irgendeinen Zeitpunkt gegeben hätte, an dem es nicht zu spät gewesen wäre. Das ist ja gerade die Tragik. Absolute Vergeblichkeit. Das würde jeden dazu bringen, auch Monate nach dem Drama noch mal Tränen zu vergießen.

 
Ich setze mich gleich definitiv hin und arbeite. Versenke meine Gedanken im Thema. Das bin ich mir selbst schuldig. Ich renne viel zu weit weg. Hab mich noch nicht fürs neue Semester zurückgemeldet, nicht mal meine Klausurergebnisse nachgeschaut, mich nicht für die Abschlussarbeit angemeldet – gar nichts. Ich habe Angst, dass das Leben mir wieder zu nah auf die Pelle rückt und mich so müde macht. Die Angst allein macht mich ja schon müde. Habe mich selten so unzulänglich gefühlt.

 
Ich habe keinen Appetit. Wenn ich esse, dann aus reiner Vernunft und auch erst abends, wenn ich merke, dass der Hunger des Tages mich mit schummrigem Kopf, weichen Knien und zittrigen Händen zurücklässt. Tagsüber fülle ich nur ab und zu meinen Mund mit Honig. Er ist Zucker für mein Hirn und Geschmack für meine Seele, aber kein Fett, das schwer im Magen liegt oder dick auf den Hüften. Es gibt nur Honig, neben den Obligatorien: Kaffee und Zigaretten. So ein Mundvoll Honig fühlt sich an wie irgendeine ganz bestimmte Situation im Leben, ganz besonders, wenn man versucht, den Honig möglichst lange im Mund zu behalten; ich weiß nur nicht welche. Es fällt mir auf Anhieb nicht ein. Vielleicht später.

 
Vor ein paar Tagen hatte ich mehrfach ein sehr merkwürdiges Körpergefühl: mir war etwas schwindelig, der Kopf war leicht, mein Körper müde und schwach, aber zugleich unruhig, irgendwie unterwegs. Mein Herz klopfte wahrnehmbar, die ganze Zeit über. Ich weiß nicht, was da los war, habe es im Nachhinein meinem Zyklus zugeschrieben, da ich weder Drogen genommen noch sonst irgendetwas ungewöhnliches getan hatte. Ich weiß nur, das Gefühl ist jetzt wieder weg, und ich weiß, wenn mir bekannt wäre, wie man es auslöst, würde ich es mir wieder holen. Es war gut. Ich hatte gute Laune. Es hat mich nach draußen gezogen. Ich habe Türen von öffentlichen Gebäuden mit bloßen Händen angefasst, ohne darüber nachzudenken, und ich habe sogar fremde Leute angelächelt. Ich kam mir nicht ganz so unzulänglich vor in diesen Momenten. Wie kriege ich das bloß zurück?

9.3.08 13:36
 



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