Sonnenuntergang
Tagebuch



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3.4.08 Besoffen und angepisst

Ich bin total voll. Musste trinken, nachdem ich Heike und André ein paar Mal vor meinem Fenster vorbeilaufen sah. Ich schaff es einfach nicht mehr, die Frau zu mögen, weil ich sehe, dass es ihn glücklich macht, wenn sie da ist. Ich hasse sie, weil ich sehe, wie unglücklich er ist, wenn sie nicht da ist. Und sie ist ja noch nicht einmal richtig weg. Der Hass macht einen komischen Ball aus meinem Magen; ich habe das Gefühl, mich übergeben zu müssen. Dem bin ich heute entgangen, indem ich Vodka in mich reingeschüttet habe. Hat geklappt. Ich habe zwar ein ziemliches Kommunikationsbedürfnis, weil ich jetzt offensichtlich in der Lage bin, Dinge in Worte zu fassen, die ich sonst nicht in Sprache kleiden kann; allerdings habe ich jetzt auch mein Kommunikationsbedürfnis an verschiedenen Leuten ausgelassen hier im Wohnheim, so dass mir jetzt nicht mehr der Sinn danach steht, hier alles mögliche aufzuschreiben. Das wäre auch viel zu anstrengend, weil ich hier jeden Satz vor lauter Tippfehlern zwanzig Mal verbessern muss.

 

Wieder mal habe ich heute nichts geschafft von den Dingen, die die Welt so von mir erwartet, (und ich habe gerade in meinen Becher reingepackt), und wieder einmal habe ich eine Situation geschaffen, die sich perfekt eignet für grässliche morgendliche Reue, und wieder einmal ist es schwer, meinen Kopf auch nur einige Minuten bei der Sache zu halten. Heute war es sogar so schlimm, dass ich meinen Besuchern (von denen ich heute mehr hatte als sonst) nicht mehr geistig überall hin folgen konnte, sondern immer wieder weggedriftet bin ins Wer weiß wohin.  Sie alle haben mir viel Glück gewünscht für meinen Medikamentenwechsel. Da wird ich nicht viel von haben. Trotzdem danke, ihr lieben Leute. Jetzt habe ich meinen Becher umgestoßen. Morgen wird’s wieder furchtbar, weil der Druck auf mir lastet, all das zu schaffen, was gestern und heute nicht geklappt hat. Wenn ich einen regulären Job hätte, wäre ich schon zehn Mal rausgeflogen – tagelang in geistigem Stupor vor sich hinzusiechen, bevor man dann an einem Tag plötzlich messerscharf dabei ist und mit viel Panik und Schwitzen und hektoliterweise Kaffee doch noch fünf vor Zwölf alles hinkriegt – das wird allgemein nicht gerne gesehen. Ist ja auch eine suboptimale Vorgehensweise. Wie auch immer – ich habe heute wieder gelernt, dass ich eigentlich genauso blöd bin wie all die Leute, denen ich genau das immer wieder vorwerfe. Das ist Grund genug für mich, jetzt einfach die Brocken hinzuschmeissen, mich in meinem Bett zusammenzurollen und zu hoffen, dass die Welt wieder besser ist, wenn ich wach werde. Vielleicht sollte ich mich vorher noch mal übergeben, damit dieser unangenehme Drang mich nicht nachts weckt und auch noch meinen bemitleidenswerten Geist dazu wach macht. Kotzen soll ja einen flachen Bauch machen, sagen zumindest diese dämlichen Essstörungs-Girlies, die eigentlich so doof sind, dass sie die Schweine beissen, von deren Eigenarten ich mir aber nichtsdestotrotz auch die ein oder andere anzueignen scheine auf die Dauer. Warum bloß? Gute Nacht.

3.4.08 21:25
 



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